Die erste Fliege

Heute habe ich die erste Fliege in diesem Jahr gesichtet. Ich war erstaunt, denn die Temperaturen draussen sind nicht gerade Fliegenlike. Sie hatte sich auf der Couch nieder gelassen, auf der ich mich ebenfalls niederließ, um einen Ordner mit persönlichen Unterlagen auszumisten. Mache ich mindestens einmal im Jahr. Die etwas schwächlich aussehende Fliege lenkte mich ab. Neben Stechmücken zählen sie zu den Insekten, die wohl nicht nur mir tierisch auf den Geist gehen. Stechmücken ganz besonders, vor allem wenn sie im Wahn sind, mich mit ihrem fiesen Gesumme schon so manche Nacht zur Weißglut brachten, und mich zu einer Mückenmörderin machten. Taten, die ich nicht im geringsten bereute. Meistens waren es meine Killerlatschen, die mir als Mordinstrument dienten.

Während ich die Fliege beobachtete, kamen im Radio die üblichen Horrornachrichten, die mich in letzter Zeit irgendwie und immer mehr abstumpfen lassen. Momentan ist Mark Zuckerberg dran. Angeblich sollen Nutzerdaten abgezogen worden sein. Was heißt angeblich, der Mann hat sich inzwischen dafür entschuldigt, und er würde dafür sorgen, dass das nicht wieder vorkommt. Na denn…

„Wir haben die Verantwortung, Ihre Daten zu schützen – und wenn wir dies nicht können, verdienen wir es nicht, Ihnen zu dienen”, soll er gesagt haben. So so, na denn…

Die Renten werden erhöht, spürbar, hörte ich den Radiomann sagen, und lauschte gespannt. Rentner im Westen dürfen sich ab Mitte Juli diesen Jahres an einer Erhöhung um 3,22 Prozent erfreuen. Renter im Osten sogar um 3,37 Prozent.Wow, darüber können sich die armen Renter, die noch Hilfe zum Lebensunterhalt zu ihrer mickrigen Rente beziehen, ganz besonders freuen, endlich können auch sie im Wohlstand leben, oder wird diese Erhöhung etwa auch von der Hilfe wieder abgezogen? Wird wohl so kommen, also nix da mit Wohlstand und so…

Die Fliege lebte immer noch, aber nicht mehr lange dachte ich. Meine beiden Katzen hatten sich inzwischen über sie her gemacht. Sie taumelte schon. Fressen werden sie sie nicht, nur mit ihr spielen. Solange, bis ihr Leben erloschen ist, vorher geben die beiden keine Ruhe. That’s life sagte ich mir, und machte mich wieder über den Ordner her, nicht ohne vorher nach draussen zu schauen…

Schneeflocken tanzten vor den Fenstern.

Advertisements

Autor: Karamella

Unspektakulär

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s