Ich im Himmel

Noch ganz verdaddert über meine Reise, die mir eine besondere Fluggesellschaft beschert hat, stehe ich nun vor der Himmelspforte und klopfe zaghaft an.

Mit einem Ächzen öffnet sich das große Tor und vor mir steht Petrus.

Na du, nun komm schon rein. Es zieht, und ein alter Mann kann sich da leicht etwas weg holen. Außerdem mag ich nicht, wenn meine Besucher unpünktlich sind … hm!“

O, entschuldigen Sie Herr Petrus, aber für meine Verspätung kann ich nichts. Sie sollten mal ein ernstes Wörtchen mit dem Personal Ihrer himmlischen Fluggesellschaft reden. Die scheinen nicht gut organisiert zu sein.“

Kaum hier und schon am Meckern. Außerdem heiße ich Petrus, und Herr kannst du dir sparen. Hier duzen wir uns alle. Aber hast recht, die Fluggesellschaft leidet an chronischem Personalmangel. Keiner hat Lust, irgendeinen Posten dort zu besetzen. Die fliegen lieber mit eigenen Flügeln den ganzen Tag durch das Universum. Abhängen, sagen die dazu auf der Erde. Ja ja, so sind sie, diese jungen Leute. Hast du dich eigentlich schon angesehen? Da hinten steht ein großer Spiegel!“

Wow, so habe ich vor fünfzig Jahren ausgesehen. Wieso bin ich jetzt auf einmal wieder jung, Petrus?“

Das, und noch viel mehr, erkläre ich dir in unserem Klärzimmer. Bei einem guten Cappuccino. Oder trinkst du lieber Espresso? Oder ganz normalen Jacopps?“

Ach, Essen und Trinken gibt es hier auch? Ich dachte immer, dass Geister weder Nahrung noch…ähem.“

Horsche mol, bis du dich ein Geist nennen darfst, hast du noch viele Prüfungen zu bestehen. Die erste werde ich dir ebenfalls im Klärzimmer erklären. Und nun komm.“

Petrus und ich sitzen an einem Tisch, der aussieht wie eine quadratische Wolke. Die Getränke serviert uns eine kleine hutzelige Gestalt…

mit Hörnern.

Sieh ihn dir genau an. Der hat nicht mal die erste Prüfung bestanden. Und nun darf er sie erst in zweihundert Jahren wiederholen. Und die ist eigentlich ganz leicht. Du musst nur ein paar vom Herrn ausgesuchte Menschen auf der Erde glücklich machen. Wie und mit was, das ist dem Herrn egal. Capito?“

Mit „Herrn“ meinst du …?“

Ja, wen denn sonst? Du darfst dir die Zeit deiner ersten Prüfung selbst aussuchen. Nur die Zeit, die Menschen nicht, okay? Kannst dir ja auf Wolke Sieben ein paar Gedanken dazu machen. Und wenn du glaubst, soweit zu sein, dann lass es mich wissen.“

Petro, Petro, ich bin jetzt schon so weit und könnte sofort loslegen.“

So?, na das ging aber schnell!”

Ja, es hängt allerdings davon ab, zu welchen Menschen mich der Herr schicken wird.“

Ha, eines kann ich dir jetzt schon verraten. Der Herr wird dich zu den Menschen schicken, die du nie leiden konntest. Und sie dich noch weniger! Das Gute daran ist, dass ihr euch nicht erkennen werdet. Jedenfalls nicht am Äußeren. Eure Charaktere haben sich jedoch nicht geändert. Na dann leg mal los…

Mit der eigentlich leichten Prüfung…”

plötzlich höre ich „Thriller“ von Michael Jackson. Ich drehe mich erstaunt um und sehe meinen Radiowecker.

Uff, und ich dachte schon, ich könnte ihn hier live sehen.

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Autor: Karamella

Unspektakulär

2 Kommentare zu „Ich im Himmel“

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