„Ich habe keine Zeit,

mich zu beeilen.“

 

(Igor Strawinsky)

Advertisements

Altern …

„Altern ist ein hochinteressanter Vorgang:

Man denkt und denkt und denkt –

plötzlich kann man sich an nichts mehr

erinnern.”

(Ephraim Kishon)

 

Heite du geben … morgen du hole

Ein Multikulti-Missverständnis… damals in Bayern:-)

Ich hatte so einiges in der Stadt zu erledigen.

Auch wollte ich mir endlich den neuen Bahnhof in aller

Ruhe ansehen, der während meiner mehrmonatigen

Abwesenheit fertig gebaut wurde. Ich staunte nicht schlecht.

Vor mir protzte ein hochmodernes Prachtstück, dessen Inneres

mit vielen Geschäften, Cafés und Fastfood- Restaurants

ausgestattet war, und wohl noch ist…

ja ja, die Bayern haben Geld, dachte ich.

Als ich mich satt gesehen hatte, ging ich schnurstracks

Richtung Fußgängerzone. Und auf diesem Weg fiel mir eine

neue Änderungsschneiderei auf. Bei ihrem Anblick wiederum,

fiel mir ein, dass ich eine Jeans von mir kürzen wollte.

Ne, ich nicht, denn außer Knöpfe annähen…

Vor der Ladentür stand ein rauchender Mann,

der aussah wie Danny DeVito; und wohl immer

noch so aussieht.

Ich ging auf ihn zu, und stellte ihm die schusselige Frage:

Kürzen Sie auch Jeans?“

Ja, ich kirzen alles“, antwortete Danny.

Und was würde mich Ihre Arbeit kosten?“

Nein Euro. Ist nix teier, oder?“

Nein, das ist in Ordnung. Und wie lange würde es dauern?“

Heite du geben und morgen du hole“, sagte Danny.

O nein, heute geht das nicht mehr. So in einer Woche vielleicht?“

Nein, nix ein Woche. Heite du geben und morgen du hole.

Isch arbeiten snell“, sagte er eifrig zu mir.

Dachte Danny etwa, dass ich eine Jeans kürzen lassen möchte,

die ich gerade am Leib trage? Er konnte nur so denken, denn

ich trug lediglich eine kleine Handtasche bei mir, in die keine Jeans

der Welt passen würde. Nicht mal die eines Kleinkindes.

Oder glaubte er vielleicht, dass ich mich in Unterhosen wartend

in sein Geschäft setzen würde?

Schnelllebigkeit hin Schnelllebigkeit her, mit mir nicht…

und dann dauerte es nur noch ein paar Sekunden, bis dann endlich der

Groschen fiel. Und nicht nur bei mir, denn sein Gesichtsausdruck

ließ keinen anderen Schluss zu, dass auch er…

Okay, Danny, ich glaube jetzt haben wir uns verstanden.

Wenn ich Ihnen nächsten Montag die Jeans bringe,

dann ist sie am folgenden Dienstag fertig, nicht?“

Ja ja, heite du geben und morgen du hole.“

Alles klar Danny, bis nächste Woche dann.“

Aber isch nix Danny; meine Name sein Vito“, sagte er

noch lachend zu mir.

HB auf Merde

HB

HB befindet sich irgendwo im Universum, auf einem von Menschen unentdeckten Planeten. Angeblich sind die Bewohner dort nur liebliche Frauen, hm HB, das hättste wohl gerne, dachte ich als ich seine Nachricht las, die per Mail kam, mit Anhang. Vor ein paar Monden war es so, so schrieb er:

Als ich mit meinen Farben sprach, betrat JD meine Wohnung, in Gestalt einer lieblichen Frau, die ich jedoch gleich als JD erkannte, oder auch erroch. Weißt was ich meine. Er sagte zu mir – in einer Sprache die ein Gemisch aus allen Sprachen dieser Erde ist- :

Du, HB, soll ich dich mitnehmen?

Wohin?, fragte ich.

Auf die Merde.

Merde?

Ja, ein gemischter Planet ist das. Mond und Erde= Merde.

Ich überlegte eine Weile und nickte, nicht ohne JD vorher zu fragen,

warum ich seine Sprache verstehen und sprechen kann.

Alle die mit einem Merdianer in Kontakt treten können das,

brauchst dir nichts darauf einzubilden.

Und seitdem bin ich hier, schrieb HB, und es ist wunderbar, ich will aber bleiben wie ich bin, ein Mann also. Sicher willst du wissen wie die sich hier vermehren, nicht? Ich kenne dich, bist und bleibst neugierig wie…

Irgendwann werde ich es dir sagen, dann, wenn ich wieder auf Erden bin. Hier gibt es keine Farben, an denen ich mich austoben kann, Merde, nichts als Merde.

So long.

HB

Hm, liest sich wie ein Traum, nicht wahr? War aber keiner 🙂

Elsa und Kartoffelpuffer

Heute ist Freitag. Elsas letzter Arbeitstag für diese Woche. Noch drei Jahre, und dann kann sie auch in den Ruhestand treten. Ob ich mich dann immer noch so auf die Freitage freuen werde?,fragt sie sich beim Verlassen ihres Büros.

Ihr Mann Peter , der ein paar Jahre älter ist, genießt schon jetzt den Ruhestand. Seine Hobbies sind die Malerei und das Kochen. An seinen Gemälden erfreuen sich nicht nur die beiden. In Peters kleinem Bilderladen ist immer etwas los. Viele seiner Werke verkauft seine Tochter zu guten Preisen, die ebenfalls Kunstmalerin ist, und den Laden schmeisst.

Elsa ist zu Hause angekommen…

Peter begrüßt sie mit einem Kuss auf den Mund. „Na meine Gute, nun können wir uns gemeinsam auf das Wochenende freuen. Und der Auftakt hierzu, ist eines deiner Lieblingsessen. Es gibt Kartoffelpuffer! Freust du dich?“

O jaaa Peter! Du hast wohl geahnt, dass ich mir diese besonderen Leckerbissen von dir heute gewünscht habe“, antwortet sie mit einem Schmunzeln.

Es ist alles schon vorbereitet. Sie müssen nur noch gebacken werden. Du kannst dich schon an den Tisch setzen, und mir beim Backen zuschauen. Siehst etwas müde und sehr hungrig aus, meine Liebe.“

Elsa setzt sich, und schaut Peter zu, wie er die kleinen Teigportionen meisterhaft mit einer Kelle in die Pfanne gießt. Der Geruch dieser bruzzelnden Puffer, lässt Elsa das Wasser im Munde zusammen laufen.

Nach einem kleinen Smalltalk sagt Peter:

Du kannst schon mit dem Essen anfangen, Elsa. Ich sehe dir doch an, dass du hungrig wie eine Bärin bist.“

Er stapelt ein paar Puffer auf einen länglichen Teller und stellt ihn auf den Küchentisch. Das Apfelmus in der Schüssel steht schon bereit.

Das lässt sich Elsa nicht zweimal sagen, und greift zu.

Hm, die sind heute aber besonders lecker, Peter.“

Grinsend backt Peter die nächsten Puffer.

Elsa greift immer noch zu…

und der kleine Rest Teig wird von Peter in die Pfanne gegossen. Aus ihm entsteht der letzte Puffer. Er nimmt die Pfanne vom Herd und wischt ein bisschen herum, bevor er sich nun auch an den Tisch begeben will.

Peter hat jetzt richtig Hunger bekommen, und dreht sich zu Elsa um.

Sie liegt auf der Küchenbank und schnarcht zufrieden aussehend vor sich hin.

Der längliche Teller ist leer.

Peter lacht, und überlegt nicht lange. Er holt sich seine Malutensilien, legt den letzten Puffer auf den Teller, und macht eine Skizze von seiner schlafenden Frau.

Ein paar Tage später malte er es in Öl. Angelehnt an das Bild von Van Gogh „Die Kartoffelesser“, nannte er es:

Elsa, die Kartoffelpufferesserin“.

Trotz großer Nachfrage verkaufte er es nie, sondern hängte es an einem idealen Platz an die Küchenwand. Elsa schaut es sich jeden Morgen mit einem verzückten Lächeln an.

Liebe geht durch den Magen…

so sagt man.

Montagsgedanken

Liegt der Sinn des Lebens im Unsinn?

Welchen Sinn machen Kriege?

Was ist sinnvoll daran, wenn Menschen geboren werden,

die von vornherein zum Sterben verurteilt sind?

Durch Hunger, Armut an sich?

Macht es Sinn, dass Menschen „gefährlicher” sind als Gorillas,

oder ist es die Dummheit der Menschen, die sie gefährlicher machen?

Wer weiß das schon…

Silversurfer

Heute“, sagte Agneta, „bringe ich dich mal zu deinen Großeltern.

Du übernachtest dort.“

Florian stocherte verträumt in seinem Frühstückmüsli.

Warum?“

Agneta kramte in der Küche herum.

Wir wollen heute Abend ausgehen, dein Vater und ich, hast du etwas dagegen?“

Warum wollt ihr denn ausgehen?“

Florian baumelte mit den Füßen und beobachtete seine Mutter.

Ach, müssen wir dich um Erlaubnis fragen, wenn wir ausgehen wollen?“

Florian dachte nach. Dann hellte sich seine Miene auf.

Das habe ich doch gar nicht gesagt. Kann ich denn etwas dagegen haben?“

Agneta stutzte. Sie lachte, und setzte sich zu Florian an den Tisch. Und strich ihm die Haare nach hinten. Florian schüttelte den Kopf. Das mochte er gar nicht.

Du, mein kleiner Genauigkeitsmann. Es ist doch nur so, du bist noch jung und wir sind immer für dich da. Wir passen auch immer auf dich auf. Und nun möchten wir für einen Abend nur für uns da sein.“

Und was macht ihr da?“, fragte Florian.

Wir gehen in die Oper, danach schön essen – und dann gehen wir tanzen, trinken und lachen…“

Allein?“ fragte Florian dazwischen.

Ja“, sagte Agneta, „Mama und Papa allein.“

Und wenn ihr tanzt und lacht und trinkt was mache ich dann bei Oma und Opa?“

Agneta lächelte.

Du schläfst“.

Und Oma und Opa?“

Die schlafen auch.“

Okay.“

Agneta wartete. Florian dachte nach.

Kann ich jetzt Opa und Oma anrufen, Florian?“

Klar doch, Mama!“

Agenta telefonierte.

Hallo“, sagte sie, „ich bringe euch dann den Florian wie abgesprochen. Ja, ja, er möchte alles so haben wie immer. Aber Opa soll allein mit ihm in den Zoo gehen und Oma soll Linsensuppe kochen. Und er möchte selbst entscheiden, wie viel Essig er in seine Suppe tut.“

Eine halbe Stunde später stieg Florian hinter Agneta ins Auto, auf den Rücken hatte er seinen Rucksack geschnallt.

Während der Fahrt träumte Florian sich auf einen anderen Stern, auf dem nur Kinder lebten und es keine Kindergärten gab. Dann dachte er an seine Oma und seinen Opa. Sie könnten ja auf dem Stern so ein Kinderrestaurant haben, in dem die Kinder Linsensuppe essen könnten. Bezahlen müsste man mit Murmeln. Da würde er vielleicht auch die olle Murmel los werden, die ihm Daniel untergejubelt hatte. Daniel und Susi hatten auch mehr Glück mit ihren Großeltern, sie waren nicht so langweilig. Daniels Opa war früher Pilot gewesen und Susis Oma war mal eine Zirkusakrobatin.

Florians Opa war Schaffner bei der Eisenbahn gewesen; und seine Oma Hausfrau. Aber lieb waren sie immer.

So“ sagte Agneta, „wir sind da, steig aus, Florianmann.“

Opa kam ihm schon auf dem Gartenweg entgegen. Oma stand weiter hinten im Hauseingang, hatte die Hände in die Hüften gestützt und lachte.

Agneta fuhr los.

Florian legte seine Sachen bei Oma und Opa ab. „Komm Florian, wir gehen in den Zoo und Oma kocht inzwischen deine heiß geliebte Linsensuppe, okay?“

Und schon waren sie auf dem Weg. Die Oma winkte den beiden noch hinterher, bevor sie sich in die Küche machte.

Ein paar Stunden später saßen die drei am Küchentisch. Florian erzählte der Oma, was er so alles im Zoo sah.

Ein Affe hat mich an Onkel Karl erinnert“, kicherte Florian. Oma und Opa konnten sich ihr Lachen nicht verkneifen. Sie prusteten einen Teil ihrer Linsensuppe über den Tisch. Ein paar Linsen blieben an Opas rechter Wange hängen, die Oma behutsam entfernte, und sich in den Mund schob.

Am Abend plätscherte Florian noch ein halbes Stündchen in der Badewanne, und dachte über die Ereignisse des Tages nach. Bevor er dann zu Bett ging, bekamen Opa und Oma noch ein Küsschen von ihm. Er schlief schnell ein.

So gegen Mitternacht wurde Florian durch das Gelächter und den Stimmen seiner Großeltern wach. Er stand auf, um nachzusehen. Die Tür von Opas Arbeitszimmer war halb geöffnet. Und was er da sah…

Oma und Opa saßen vor ihren Monitoren. Opa am PC und Oma am Laptop. Sie kicherten wie Kinder, die verbotene Dinge taten. Im Wechsel tippelten Opa und Oma hin und her. Jeder von ihnen hatte dem anderen scheinbar etwas sehr Wichtiges zu zeigen.

Was macht ihr da?“ fragt Florian.

Wir surfen im Internet. Da sind wir nicht Oma und Opa, sondern „ Alfons“ und „Adriane“. Das tun wir aber meistens nur am Abend, um uns ein wenig zu amüsieren. Am Tage macht es uns nicht so viel Spaß, und außerdem haben wir ja auch noch unsere Aufgaben zu erfüllen, Florianmann.“

Was für Aufgaben denn?“

Ach Florian, wir haben unseren Garten, unser Haus und müssen uns schließlich auch um den Rest der Familie kümmern.Wir wollen doch auch für dich da zu sein, wenn deine Eltern mal etwas vorhaben. So wie heute,Florian.“

Florian ist auf einmal ganz stolz.

Was sind schon ehemalige Piloten und Zirkusakrobatinnen gegen meine Großeltern? Die sind Surfer! Ne, den Daniel und die Susi beneide ich nun nicht mehr. Daniels Oma kann nicht einmal richtig mit den Geldautomaten umgehen, und der Opa von Susi geht nie in den Zoo mit ihr.

Lachend ging er wieder in sein Bett, und Oma und Opa vergnügten sich noch bis in den frühen Morgenstunden im Netz.

Mama sagte:

Die schlafen auch. Von wegen, die surfen nachts, waren Florians letzte Gedanken, bevor er ins Reich der Träume eintrat.

Am nächsten Morgen wurde Florian von seiner Mutter abgeholt. Sie fuhr ihn in den Kindergarten. In der Pause unterhielten sich die Kinder, was sie so alles am Wochenende erlebten. Einige erzählten von ihren tollen Großeltern, und was die alles so für sie machen. Besonders Daniel und Susi prahlten regelrecht.

Florian hörte zu, und dann sagt er:

Mein Großeltern sind Surfer im Internet. Und dort sind sie nicht Oma und Opa, sondern Alfons und Adriane. Die sind richtig cool!“

Stolz beobachtete Florian die erstaunten Gesichter der anderen Kinder.